Pfr. Michael Kamutzki im Pastoralen Dienst im Übergang

Pfarrer Michael Kamutzki kommt im Rahmen eines Pastoralen Dienstes im Übergang (PDÜ) in die Evangelische Versöhnungs-Kirchengemeinde Iserlohn. Seine Aufgabe besteht je zur Hälfte darin, Vertretungsarbeit zu leisten und der Gemeinde bei der anstehenden Umstrukturierung zu helfen. „Ich komme nicht mit einem Lösungsbaukasten“, sagt der 55-jährige Theologe, für den der Kirchenkreis Iserlohn kein unbekanntes Pflaster ist. „Die Experten sind hier vor Ort“, so Kamutzki – und auf die Menschen vor Ort komme es auch an bei der Suche nach tragfähigen Lösungen für die Zukunft.

Michael Kamutzki kommt aus Ostwestfalen. Er gehört zu einer Generation von Theologen, deren Berufseinstieg in eine Zeit fiel, in der die westfälische Landeskirche aufgrund ihrer angespannten Finanzlage deutlich weniger Pfarrerinnen und Pfarrer übernehmen konnte. Kamutzki durchlief das damalige Auswahlverfahren erfolgreich und gehörte zu denjenigen, für die grundsätzlich ein Weg ins Pfarramt offenstand – allerdings mit einer mehrjährigen Wartezeit. Da er inzwischen ein Aufbaustudium der Gerontologie begonnen hatte, entschied er sich für ein Gastvikariat bei der badischen Landeskirche in Mannheim. So konnte er seine praktische Ausbildung zum Pfarrer mit dem Studium im nahe gelegenen Heidelberg verbinden und dieses abschließen.

2006 bekam er dann eine Stelle in der westfälischen Landeskirche, genauer gesagt in der Preußengemeinde in Lünen, bevor er 2010 seine erste Gemeindepfarrstelle in Schwerte übernahm. Sieben Jahre blieb er dort – eine wichtige und prägende Phase für Kamutzki. „In dieser Zeit habe ich unglaublich viel gelernt“, erinnert sich der Pfarrer, „durch Dinge, die gut gelaufen sind, und andere, die schlecht gelaufen sind.“ Für die Gemeinde selbst war es eine herausfordernde Zeit mit vielen Veränderungen, die am Ende aber zu einem guten Ergebnis geführt haben. 2017 verließ Kamutzki die Gemeinde aus persönlichen Gründen.

Es folgten eine Station in der Reinoldi-Gemeinde in der Dortmunder Innenstadt und von 2018 bis zuletzt eine Schulpfarrstelle im Kirchenkreis Hamm. Währenddessen absolvierte er eine Ausbildung zum Gemeindeberater und verspürte den Wunsch, für seine verbleibenden Berufsjahre noch einmal eine neue Herausforderung anzunehmen. „Die Veränderungsprozesse in unserer Kirche finde ich sehr spannend“, sagt der Theologe. „Transformation ist die DNA der Kirche. Was ist die Geschichte von Kreuz und Auferstehung anderes als ein echter Transformationsprozess?“

Deshalb reizte ihn das Konzept des PDÜ. Der „Pastorale Dienst im Übergang“ ist ein spezielles Angebot der Landeskirche in der Zeit einer Pfarrstellenvakanz. Die EKvW entsendet die Pfarrperson in die Gemeinde, wo sie die pastorale Grundversorgung übernimmt und gleichzeitig professionelle Beratung bei der Neuausrichtung bietet. Das Konzept eignet sich besonders dann, wenn in der Gemeinde grundlegende Veränderungen anstehen. Ein wichtiger Grundsatz dabei ist, dass sich der Pfarrer „im Übergang“ nicht auf eine mögliche neue Pfarrstelle bewerben darf. Wenn die Umstrukturierung abgeschlossen ist, verlässt Kamutzki die Versöhnungs-Kirchengemeinde also wieder, voraussichtlich in zwölf bis 18 Monaten. In dieser Zeit aber ist er „mittendrin“ – ein Unterschied zu klassischer Gemeindeberatung von außen.

Kamutzki sieht sich selbst als eine Art „Interimsmanager“ – ein Begriff, auf den ihn sein Supervisor brachte, als er die Arbeit im PDÜ beschrieb. Als ihm das Landeskirchenamt den Auftrag in der Versöhnungs-Kirchengemeinde vorschlug, reizte ihn dieser sofort. Eine große Gemeinde, die sich verändern und ihre Stellung in der Region finden muss – das erinnerte Kamutzki an seine Zeit in Schwerte.

„Wer sind wir?“ und „Wer wollen wir in Zukunft sein?“ – diese Fragen gelte es nun zu beantworten. Dabei geht es für Kamutzki nicht darum, die Gemeinde völlig neu zu erfinden. Vielmehr müsse sie klären, was ihre Identität ausmacht und wie sie diese unter veränderten Bedingungen bewahren und weiterentwickeln kann. Denn angesichts deutlich knapper werdender personeller und finanzieller Ressourcen werde sich vieles verändern müssen.

Aber Kamutzki möchte diese Fragen eben nicht selbst beantworten, sondern den Menschen vor Ort helfen, dies zu tun. „Gemeinde ist immer vor Ort“, unterstreicht Kamutzki. „Es wäre unfair, wenn ich die Menschen mit meinen sogenannten ‚Lösungen‘ dann wieder allein ließe“, erklärt der Pfarrer. Auf manche Ideen könne er auch gar nicht kommen, weil er die örtlichen Gegebenheiten nicht so gut kenne. Er sieht sich selbst eher als einen Katalysator, der dabei hilft, maßgeschneiderte Ideen zu entwickeln.

„Ich möchte Lust auf Veränderungen machen“, sagt Michael Kamutzki. „Die Lösung steckt im System“, davon ist der 55-Jährige überzeugt. Er habe es selbst schon erlebt, wie Menschen sich bei Versammlungen zunächst versteckt und gar keine Lust auf Veränderungen gehabt hätten. „Und auf einmal macht es Bam“ – und die guten Ideen und Lösungen sprudeln hervor, genau von diesen Leuten. Darauf hofft Kamutzki auch in Iserlohn. Er freut sich darauf, sich in den kommenden Tagen „reinzuwühlen“ und erst einmal die Menschen und die Situation vor Ort kennenzulernen.

(Bild und Text: Kirchenkreis Iserlohn)