„Vom Säen und vom Gehen“

Udo SchulteJesus hat gerne in Gleichnissen geredet. Das Gleichnis vom Senfkorn aus Matthäus 13, 31-32, hat mich in der letzten Zeit besonders angesprochen: Das Himmelreich gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und auf seinen Acker säte; das ist das kleinste unter allen Samenkörnern; wenn es aber gewachsen ist, so ist es größer als alle Kräuter und wird ein Baum, so dass die Vögel unter dem Himmel kommen und wohnen in seinen Zweigen.

Das kleine Senfkorn - der Mensch, der sät - Gott, der reichlich Wachstum schenkt - eine Herberge für die Geschöpfe.

Unser Tun für das Reich Gottes gleicht dieser Arbeit, denn es werden viele kleine Samen gesät. Aber die Fragen kommen und werden laut: Was wird daraus? Hat die Arbeit Sinn gemacht und habe ich genug getan? War nicht viel Arbeit vergebens? Was wurde vielleicht auch falsch gemacht?

Unsere Aufgabe ist das Säen. Ob die Saat aber auch aufgehen und wachsen wird, wissen wir vorher noch nicht! Daher braucht es Geduld, obgleich auch die Verheißungen Gottes uns zugesprochen wurden, dass sie wachsen wird. Das Säen ist die Aufgabe der Menschen, doch das Wachsen und Gedeihen liegt nicht in unserer Hand.

Nun wechsel ich die Pfarrstelle nach über 21 Dienstjahren in Iserlohn an der Obersten Stadtkirche. Für meine Frau Annemarie und mich geht es nach Ostwestfalen, in die kleine Stadt Rahden. Dort werde ich die Pfarrstelle Rahden-Mitte übernehmen mit der ebenfalls  denkmalsgeschützten St.-Johannis-Kirche. Es ist die Möglichkeit, nach vielen Jahren an einem Ort, noch einmal dienstlich neu zu beginnen. Das Wechseln der Pfarrstelle ist in Westfalen nicht ungewöhnlich, auch wenn eine Gemeinde es in der Regel bevorzugt, dass ein Pfarrer möglichst lange an einem Ort bleibt. Das Vertraute ist einem meist besonders lieb.

Nun liegen noch einmal ca. 12 Dienstjahre vor mir. Der Abschied fällt mir aber nicht leicht, da viele intensive Jahre hinter uns liegen und Abschiednehmen immer mit viel Schmerz verbunden ist.

Die Jahre in Iserlohn waren Jahre des Säens, aber Vieles ist schon gewachsen und groß geworden. Mit Freude sehe ich die Entwicklungen bei den unterschiedlichen Gottesdiensten, in der Kirchenmusik, in der Jugendarbeit, im Sozialzentrum, in Glaubenskursen und Hauskreisen, bei engagierten Mitarbeitenden an so vielen Stellen in der Gemeinde. Christen in Iserlohn haben die Augen füreinander und für die Stadt geöffnet und sich vielfältig mit Herz und Hand engagiert. Gesät wurde in einzelne Menschen durch Gespräche, Begegnungen, durch Trost in der Trauer, durch den kirchlichen Unterricht und durch viele Besuche.

Geht der Same auf im Reich Gottes, für das Wohl der Menschen, für das Lob Gottes, zum Segen für die Menschen und diese Welt?

Das Gleichnis vom Sämann tut mir gut und ermutigt mich. Gott selbst ist derjenige, der es wachsen und aufgehen lässt. Unsere Aufgabe ist nur das Säen. Dann braucht es aber auch das Vertrauen und den Glauben, dass Gott selbst schenken wird, was er verheißen hat. Was wird weiter wachsen, was wird größer werden, sogar so groß, dass andere Geschöpfe da Zuflucht finden werden?

Uns Menschen tut es gut, nach dem Reich Gottes zu trachten, wie es Jesus deutlich seinen Nachfolgern geboten hat. Den Willen Gottes zu suchen, ihm zu dienen, ihn vielfältig zu loben, die eigenen Gaben und Fähigkeiten für das Reich Gottes einzusetzen. So wird hier auf dieser Erde im Sinne Gottes gesät. Ich möchte Gott vertrauen und zu ihm beten, dass die kleinen gesäten Senfkörner aufgehen und wachsen können, dass auch andere säen und auf Gottes Handeln vertrauen werden.

Wir möchten die Gemeinde in Iserlohn mit dem Wunsch und der Bitte um Gottes Segen zurücklassen, mit großer Dankbarkeit für viele gute Erfahrungen unter offenem Himmel in den letzten Jahren in Iserlohn. Sicherlich ist da auch die Schwere des Abschieds von vielen vertrauten und liebgewonnen Menschen. Aber es gibt auch die Freude der neuen Herausforderung, an einem bis zum jetzigen Zeitpunkt fast unbekannten Ort wieder Samen zu säen und auf Gottes Wirken und sein Gedeihen zu vertrauen.

Ihr Pfarrer Udo Schulte

 

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