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Ein wenig Orgelbau für Interessierte

Vorbemerkung: In den nachfolgenden Erklärungen wird beschrieben, wie Orgeln meistens aufgebaut sind und wie sie grundsätzlich funktionieren. Im Einzelfall kann es an vielen Stellen Besonderheiten in Aufbau und Funktion geben. Alle möglichen Abweichungen vom "Normalen" auch zu beschreiben würde hier ins Uferlose treiben.

Eine Orgel kann man mit einem Orchester vergleichen. Dort gibt es viele Musiker und verschiedene Instrumente unterschiedlicher Klangfarben, die gemeinsam  musizieren. Bei einer Orgel gibt es (in der Regel) nur einen Musiker, der aber alle Instrumente (die "Register") spielt und so musiziert.

Ein "Register" sind Pfeifen einer Klangfarbe, die für jeden Ton eine Pfeife haben. Bei den Orchesterinstrumenten werden dagegen mit einem Instrument alle Töne gespielt, vom tiefsten bis zum höchsten.

Der Ton einer Orgelpfeife ist abhängig von der Größe und Dicke der Pfeife, aber auch vom Material aus dem sie gebaut wurde, also etwa Metall (welche Legierung?) oder Holz (welches?). Mit Mensur meint man die Abmessungen der Pfeifen. So können die Pfeifen eines Registers, abhängig von der Akustik des Raumes, in der einen Kirche schlanker, in einer anderen dicker sein, um einen optimalen Klang zu erzeugen.
Auch ihre Konstruktionsmerkmale haben Einfluss auf den Ton: ist die Pfeife zylindrisch, konisch, oben offen, oben zu ("gedeckt"). Es gibt zwei Arten der Tonerzeugung bei Orgelpfeifen. Die Labialpfeifen "funktionieren" wie eine Blockflöte, die Lingualpfeifen wie eine Klarinette oder Saxophon.

Die Zusammenstellung der Register einer Orgel, die man aus der Menge der Möglichkeiten gewählte hat, nennt man "Disposition". Diese Disposition und noch ein paar andere Dinge geben einer Orgel ihren je eigenen Charakter. Den musikalischen Geschmack einer Zeit kann man auch an den Klangfarben der Orgeln jener Zeit ablesen.

Mehrere Register werden zu sogenannten "Werken" zusammengestellt, die dann hauptsächlich von einem "Manual" oder dem "Pedal" aus gespielt werden. Eine Orgel hat i.d.R. mindestens 2 Werke, eines für das Manual, eines für das Pedal. Ein Manual sind die Tasten, die mit den Händen (manus) gespielt werden. Manuale gibt es an großen Orgel bis zu 5, oder sogar mehr, also auch entsprechen viele "Werke". Ein Pedal (pes) sind die Tasten, die mit den Füßen gespielt werden. Die Werke haben Namen wie: Hauptwerk, Oberwerk, Brustwerk, Schwellwerk, Rückpositiv, Fernwerk, Pedal etc. Und natürlich hat jedes Werk seine eigene Disposition, seinen eigenen Charakter.

Mit "Koppeln" kann man verschiedene Werke beim Spiel zusammenkoppeln, sodass der Organist z.B. mit den Füßen nicht nur die Pfeifen des Pedalwerkes, sondern die des Hauptwerkes zusammen spielen kann und so seine Klangvariationen deutlich erweitert. Meist haben Orgeln mehrere Koppeln um alle Werke verschieden aneinander koppeln zu können.

Moderne Orgeln haben eine elektronische "Setzer-Anlage". Das ist nichts anderes als mehrere vor dem Spiel programmierbare Zusammenstellungen von verschiedenen Registern für die verschiedenen Stellen der Musik, die dann unterschiedlich klingen sollen. Durch Knöpfchendruck können dann blitzschnell an den gewählten Musikstellen die dafür programmierten, "gesetzten" Registerzusammenstellungen gewählt werden.

Damit ein Ton erklingen kann, müssen zwei Ventile geöffnet werden. Das eine wird durch die Registerzüge -, das andere durch die Tasten betätigt. Wenn z.B. der Ton "C" der "Trompete" erklingen soll, müssen das Register "Trompete" gezogen und die Taste "C" auf dem Manual gedrückt werden, dem das Werk mit dem Register Trompete zugeordnet ist.

So einfach ist das Orgelspiel! Und wenn ich das dann noch mit beiden Händen, mit allen 10 Fingern und beiden Füßen wohlgetaktet und gleichzeitig tun kann, wird es auch gut klingen!

Ein wenig mehr Orgelbau für ein wenig mehr Interessierte

Das zentrale Bauteil einer Orgel ist die "Windlade". Hier wird der "Wind" (die Luft) von der Windmaschine (einem großen Ventilator) zu den einzelnen Pfeifen hin verteilt. Ohne Wind kein Ton.

I.d.R. stehen auf einer Windlade alle Register (und damit alle Pfeifen) eines Werkes. Der Aufbau einer Windlade ist relativ einfach, aber schwierig nur mit Worten zu beschreiben. Am Besten geht es wohl, wenn man den Ablauf beschreibt, wie sie gebaut wird.

Windlade AufbauZunächst wird eine stabiler Rahmen gebaut, in den viele Längsscheite eingefügt werden. Oben und unten wird das dann mit einer Holzplatte verschlossen. Die Hohlräume zwischen Querscheiten bilden nun eine sogenannte "Kanzelle".

 

 

Ventile OrgelVon unten wird dann ein Schlitz in die Kanzelle eingefräst, der später mit dem Ventil verschlossen wird, das durch die Tasten betätigt wird. So kommt schon mal der Wind in eine Kanzelle. Es gibt also so viele Kanzellen, wie es Tasten gibt.

 

SchleifenOben auf die Windlade werden die sogenannten "Schleifen" quer zu den Kanzellen montiert. Das sind lange dünne Streifen aus z.B. Holz oder Bakelit. Von oben werden die Schleifen so durchbohrt, dass es einen Durchlass gibt, durch die Schleife und die Holzplatte, die die Windlade oben verschließt, bis in die Kanzelle hinein. Und das für alle Töne eines Registers. Wenn nun die Schleife seitlich verschoben wird, sind alle Löcher offen oder eben nicht. Die Steuerung der Schleifen geschieht durch die Registerzüge.
Auf die Schleife kommt der "Stock", der den Wind von der Schleifen zu den Pfeifen leitet, die auf ihm stehen.

Jetzt ist hoffentlich verständlich, was es mit den zwei Ventilen auf sich hat, die göffnet sein müssen, damit eine Pfeife klingt.

"Traktur" nennt man die Konstruktion von der Taste zum Ventil, oder den des Registerzuges zur Schleife. War ganz früher nichts anderes möglich als Hebel, Winkel und simple Mechanik, hat man später alle neuen technischen Entwicklungen auch ausprobiert. Pneumatik nennt man die Kraftübertragung per Luftdruck durch Bleirohre und Bälge, Elektrik die Kraftübertragung mittels elektrischer Leitungen und Magneten und (heutzutage) Stellmotoren. Die neuen Techniken gaben auch neue Gestaltungsmöglichkeiten, aber jede Technik hat auch ihre eigenen Empfindlichkeiten und langfristigen Probleme.

Die meisten Organisten bevorzugen heute eine mechanische Traktur für die Tasten wegen des besseren "Spielgefühls". Bei den Registern mögen sie meist die elektrische Steuerungsmöglichkeit wegen der Programmierbarkeit, die eine unendliche Vielfalt an Klangvariationen in schneller Abfolge gestattet.

Es gibt aber auch Puristen, denen der ganze moderne Elektronikkram nicht gefällt. Sie wollen alles ganz natürlich und mechanisch. Aber die sind selten...

Wer weiß, was J.S. Bach noch so alles komponiert hätte, wenn ihm die heutige Orgelbautechnik in ihrer ganzen Breite zur Verfügung gestanden hätte...

 

 

 

 

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