Erntedank

Bei unseren russischen Geschwistern in Nowotscherkassk ist die Tradition des Erntedankfestes noch sehr lebendig. Sie leben zwar auch zumeist in der Stadt und kaufen den Großteil ihrer Lebensmittel im Geschäft oder auf dem Markt. Manche haben noch eine Datscha oder ein Gemüsegärtchen und kennen den Rhythmus von Saat und Ernte, die Abhängigkeit von harter Arbeit und günstiger Witterung. Auch ein kleiner Ertrag aus dem Garten hilft, das schmale Budget der Rentner und Familien zu schonen. Wer kein eigenes Stück Land hat, kauft auf dem Basar Gurken, Paprika und Tomaten, um sie für den Winter zu konservieren, für die Zeit, wenn Frisches besonders teuer ist.

Erntedankpyramide1Zum Erntedankfest wird in den Gemeinden oft ein Gabentisch in Pyramidenform aufgebaut und mit frischem Obst und Gemüse geschmückt. Ganz oben stehen dann ein schön verziertes Brot und eine Bibel: das tägliche Brot des Lebens und sinnbildlich das Lebensbrot im Evangelium: Gott schenkt sich nicht nur in der Stillung des täglichen Bedarfs, er sättigt Leib und Seele.

Auch im zurückliegenden Jahr hat Gott in seiner Treue alle ernährt und beschenkt. Manches, was bei den Babuschkas auf den Tisch kam, ging durch die Hände der Geschwister in Deutschland. Und in das Lob Gottes mischt sich ein dankbarer Gedanke an die Spender in der Ferne. So ganz gewiss bei der 8köpfigen Familie, die sich in diesem Jahr mit Hilfe ihrer deutschen Patenfamilie eine Kuh kaufen konnte und nun Milch für die Kinder hat.

Die Entfernung, die wir heutigen Europäer von der Lebensmittelproduktion haben, lässt uns leicht die Tradition des Erntedankfestes vergessen. Aber es tut uns gut, uns zu erinnern, dass die Quelle des Lebens nicht in uns selbst und in unserer Arbeit liegt. Insofern können wir uns von den Geschwistern in Russland neu inspirieren lassen, Erntedank zu feiern.

„Aller Augen warten auf dich, Herr, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit," (Psalm 145,15). Mit dem Wochenspruch vom Erntedankfest am 1. Oktober grüße ich Sie im Namen unserer Geschwister in Nowotscherkassk und besonders von Pastor Romanenko und seiner Frau, deren Besuch wir im November wieder erwarten. Die Einzelheiten dazu erfahren Sie dann aus der Tagespresse bzw. an dieser Stelle.

Mit zurzeit knapp 200 Patenschaften, überwiegend für bedürftige Rentner, aber auch für einige kinderreiche Familien, leisten deutsche Freunde spürbare Hilfe in Iserlohns russischer Partnerstadt. Haben Sie Interesse an den Projekten des Hilfswerks Kirche im Osten e.V.? Dann erreichen Sie unsere Geschäftsstelle unter folgender Adresse:
Bömbergring 117, 58636 Iserlohn, Tel.: 02371/25747 oder per Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Wenn Sie diese Arbeit unterstützen möchten, finden Sie hier das Spendenkonto:
IBAN: DE85 3506 0190 2102 1100 16 / BIC: GENODED1DKD

Jutta Stricker, Vorsitzende

Rückblick auf 30 Jahre „Kirche im Osten“

2017 ist unser Hilfswerk 30 Jahre alt geworden. So lange ist es her, dass in Iserlohn ein Kreis von Menschen unter dem Namen „Kirche im Osten“ sein Augenmerk auf die schwierige Lage der Christen in Russland richtet. Diese ist immer noch im Fokus, wenn sich auch die Arbeit im Laufe der Jahre verändert hat.

Wie ich meine Babuschka kennenlernte

Soweit ich mich erinnere, habe ich im Jahr 2000 das erste Mal Briefkontakt bekommen zu meiner „Babuschka“, die ein Jahr jünger ist als ich. So war mein letzter Weihnachtsbrief, den das Pastorenehepaar Romanenko aus Nowotscherkassk bei seinem Besuch im November 2015 mitnahm, schon der Brief an eine Freundin. Sie heißt Lidia Burkina. Beide haben wir mehrere Kinder und Enkelkinder, über die wir uns auch gern berichten und Fotos austauschen. Lidia ist allerdings schon lange verwitwet, ich habe meinen Mann Uli zum Glück noch. Einen Absatz des letzten Briefes an Lidia gebe ich hier wieder, denn er löste bei ihr unerwartete Emotionen aus.

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