Auswahl täglicher Andachten in christlichen Medien

Andacht zum Monatsspruch November 2017

Und meine Wohnung wird über ihnen sein; und ich werde ihnen zum Gott und sie werden mir zum Volk sein. (Hesekiel 37, 27)

Hesekiel weissagt den Israeliten, die im Exil ihrer verlorenen Heimat, dem gelobten Land, nachtrauern. In der Lutherbibel hat das Kapitel die Überschrift "Die Wiedervereinigung Israels unter dem einen Hirten". Ja, Gott hat es zugelassen, sogar gewollt, dass sein Volk die Heimat und den Tempel verliert. Zuvor jedoch hatte es viel getan, was Gott nicht gefiel. Immer wieder hatten die Israeliten gegen Gottes Gebote verstoßen, besonders gegen das erste Gebot: Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

Aber Gott liebt sein Volk, Er liebt uns! Er will keine Rache. Deswegen macht er erlebbar, was es heisst, von ihm getrennt zu sein. Er will, dass wir lernen aus unseren Sünden. Und so verbindet er diese "Lernerfahrung" mit der Hoffnung auf die Versöhnung. Die Israeliten werden nicht nur in ihre Heimat zurückkehren, sondern auch ein Volk sein unter einem König (zuvor waren sie in zwei Reiche getrennt gewesen.) Gott wird ihnen helfen, nicht mehr fremden Göttern zu huldigen und wird sie reinigen von ihren Sünden. Das alte Königsrecht der David-Linie wird wieder in Kraft kommen. Und Gott wird einen neuen Friedensbund mit ihnen schließen.

Mir gefällt die Elberfelder Übersetzung (s.o.) hier besser als die von Luther (nach der wohnt Gott unter uns). Gott kommt nicht zu uns zu Besuch, sondern er "stülpt" quasi seine Wohnung über uns und so kommen wir in sein Haus. Er stellt die richtige Ordnung wieder her, nach der er unser Gott ist und wir sein Volk sind.

Alles das ist spätestens mit Jesu Kommen in die Welt passiert. Jesus hat uns den Zugang in Gottes Reich, in seine Wohnung wieder frei gemacht. Jesus hat uns gezeigt, mit was für einem Gott wir es zu tun haben. Einen, der uns den Weg zeigt. Einen, der sich mit uns und auch uns untereinander wieder versöhnt. Einen, der uns sicheren Halt und wirkliche Orientierung gibt. Einen, der uns hilft, wenn wir uns verlaufen, wenn wir mal wieder sündigen.

Du und ich haben sicher manchmal (oder oft?) das Gefühl, dass Gott weit weg ist - oder wir weit weg von Gott sind. Aber Jesus ist da weniger an unserer Vergangenheit, als vielmehr an unserer Zukunft interessiert. Daher steht dieser Text auch in der Zukunftsform. Gott weiss, dass wir Sünder sind und nicht anders können. Aber Jesus hat dennoch eine Zukunft für uns.

Freu' Dich schon mal auf Weihnachten!
Christof Wiedermann
Prädikant und Presbyter

Andacht zum Losungsspruch Oktober 2017

So, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut. – Lukas 15,10

Normalerweise denke ich nicht so furchtbar gerne darüber nach, was ich falsch gemacht habe. Es ist kein angenehmes Gefühl, dass wir uns anderen Menschen, uns selbst oder Gott gegenüber nicht so liebevoll verhalten haben, wie wir es hätten tun können. Die kleine Lüge, um uns das Leben leichter zu machen. Der hämische Gedanke. Das Lästern.
Und oft genug denke ich: „Was bringt es denn jetzt, noch lange darüber nachzudenken, was passiert ist? Es ist jetzt eh zu spät, ich kann nichts mehr ändern.“ Aber so ist das nicht. Bereuen ist auch Zeit, die ich mit Gott verbringe. Zeit, in der ich ihm näher komme, wenn ich mich durch meine Fehltritte von ihm entfernt habe. In der ich darüber nachdenke, was ich in Zukunft anders machen kann.
Und dann gibt es eine kleine Engelparty im Himmel. Jedes Mal, wenn ich merke, dass ich Mist gebaut habe. Zumindest dann, wenn ich das auch bereue. Ich empfinde das als ein sehr schönes Bild, das da im Lukasevangelium steht. Eine richtige Motivation, diesen sowohl unangenehmen, als auch heilsamen Pfad öfter zu beschreiten.
Natürlich sollen wir jetzt auch nicht den ganzen Tag nur über unsere Sünden nachdenken, uns ununterbrochen schlecht fühlen, so dass wir zu überhaupt nichts anderem mehr kommen. Gott braucht es nicht für sich, dass wir Reue tun. Aber er liebt uns. Und er weiß, dass wir einen wichtigen Teil von uns ignorieren, wenn wir uns versündigen. Dass wir uns dadurch von ihm entfernen. Deswegen freut er sich, wenn wir umkehren und wieder und wieder seine Nähe suchen, nach dem wir wieder und wieder Fehler gemacht haben. Und jedes Mal aufs Neue schließt er uns wieder in seine Arme.

Mirjam Westermann, stud. theol.
Gemeindepraktikantin

Andacht zum Losungsspruch für September 2017

Und siehe, es sind Letzte, die werden die Ersten sein, und sind Erste, die werden die Letzten sein. (Lukas 13, 30)

Gibt es ein "zu spät!" um von Jesus angenommen zu werden? Wenn wir ehrlich sind gibt es für uns manchmal ein "zu spät". Ein "zu spät" für eine Entschuldigung, ein "zu spät" für eine versprochene Tat, eine "zu spät" für ein angestrebtes Ziel.

Unser Losungsspruch taucht außer hier bei Lukas noch zweimal im Matthäus-Evangelium und einmal im Markus-Evangelium auf - es scheint also eine wichtige Aussage zu sein.  Hier bei Lukas geht es um das Reich Gottes und wie man hinein kommt. Jesus wird gefragt, ob wohl nur wenige da hinein kommen. Aber das ist wohl nicht die richtige Frage. Es ist nicht wichtig, zu einem erlauchten Kreis zu gehören, sondern auf dem richtigen Weg zu sein. Jesus spricht von einem "schmalen Weg", den es zu bestehen gilt, und einer "engen Pforte" durch die es hineingeht ins Reich Gottes. Wer da aufgeplustert ist von seiner eigenen Frömmigkeit, der passt nicht hindurch.

Wer also passt hindurch? Zunächst einmal können und werden sie kommen aus allen Richtungen der Erde. Nach Matthäus 19, 29 und Markus 10, 29 gehört es wohl auch dazu, Jesus an die erste Stelle in seinem Leben gesetzt zu haben, noch vor Familie und Tradition. Nach Matthäus 20,14 gehört auch das Vertrauen auf die Richtigkeit von Gottes Gnade und seine Art von Gerechtigkeit dazu.

Nein, es gibt kein "zu spät" in diesem Leben. Das beweist Jesus selbst am Kreuz. Dem neben ihm (zurecht verurteilten!) gekreuzigten Verbrecher sagt er sein Wiedersehen mit ihm im Himmel zu, denn er hatte sein letztes Vertrauen auf Jesus gesetzt.

Für uns mag es manchmal wichtig sein, Erste(r) zu sein. Für Jesus ist es wichtig, dass wir unser Vertrauen auf ihn setzen.

Christof E.A. Wiedermann
Prädikant und Presbyter

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