Auswahl täglicher Andachten in christlichen Medien

Andacht zum Monatsspruch Dezember 2016

Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen.

Psalm 130,6

Kennen Sie das, wenn man sehnsüchtig auf den Morgen wartet?

Ich kenne das aus ganz unterschiedlichen Situationen:

  • als Jugendlicher habe ich in Zeltlägern und in Missionszelten nachts Wache „geschoben“,
  • als Segler wurde ich als Crewmitglied zur Nachtwache eingeteilt,
  • als selbständig arbeitender Freiberufler stand ich oft vor schwer lösbaren Fragen, die mir den Schlaf raubten und
  • in lebensbedohenden Krankheitszeiten habe ich schmerzvolle Nächte schlaflos erlitten.

Am schlimmsten ist die Zeit so zwischen 2 Uhr und 4 Uhr. Seeleute nennen diese Zeit die „Hundewache“. Da kriecht die Nachtkälte in nördlichen Breiten durch alle Kleidungsritzen und die Müdigkeit will einen übermannen, aber man darf auf keinen Fall einschlafen. Nicht sehnt man in solchen Zeiten und in schmerzvollen Nächten mehr herbei als den Morgen.

So ähnlich geht es dem Beter wohl auch, wenn er seine Situation betrachtet. Sein Gebets-Seufzer ist Teil eines Wallfahrsliedes und der Beter geht offensichtlich mit sich selbst ins Gericht. „Aus der Tiefe rufe ich HERR, zu Dir“, so beginnt er sein Gebet. Er weiß, wenn Gott Sünden anrechnen will, wird niemand, am wenigsten er selbst, vor Gott bestehen. Voller Sehsucht wartet er auf Erlösung aus dem "Wollen habe ich wohl, aber vollbringen das Gute finde ich nicht.(Römer 7,18)". Und er denkt dabei nicht nur an sich selbst, sondern hat auch sein Volk im Blick: „Wer wird Israel erlösen?“ fragt er Gott und weiß zugleich: ER, der Gott Israels wird Israel erlösen! Und mit diesem Verheißsungswort endet sein Gebet voller Gewissheit.

Wir schauen uns heute um und fragen: Woher kommt uns Hilfe? Hilfe in friedloser Zeit, Hilfe in den politischen Verwerfungen, in der viele Verführer einfache Lösungen anbieten, Hilfe in unserer eigenen Not? Gott hat den Beter unseres Losungswortes gehört. Noch während er betet, erfährt er Gewissheit: Gott wird Israel - wird mich – erlösen.

Wir leben im Advent. Gott hat sich aufgemacht, uns entgegen zu gehen. Mitten in der Nachtwache erscheint er den Hirten. Auch Ihnen will er erscheinen! Beten Sie - wenn Sie mögen - mir mir:

Wie soll ich dich empfangen / und wie begegn' ich dir,
o aller Welt Verlangen, / o meiner Seelen Zier?
O Jesu, Jesu, setze / mir selbst die Fackel bei,
damit, was dich ergötze, / mir kund und wissend sei.

Hans Martin Eichholz, Gemeindeglied

Andacht zum Losungsspruch für November 2016

Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen. 2. Petrus 1,19

Unter den vielen Gaben, die Gott uns schenkt, ist auch die prophetische Gabe in der Bibel genannt. Und wenn der jetzige Monatsspruch heute noch gültig ist, gibt es tatsächlich noch immer Menschen, die ein „prophetisches Wort“ von Gott erhalten. Doch was ist das eigentlich, so ein prophetisches Wort?

Nach diesem Vers zu urteilen ist es auf alle Fälle kostbar! Es soll unbedingt gehört und bewahrt werden. Es ist ein Licht in der Dunkelheit. Es schenkt Klarheit in einer undurchsichtigen Situation. Es schenkt Orientierung, es wärmt vielleicht auch und beruhigt. Das prophetische Wort trägt und hält, ganz besonders in den Momenten, wo Gottes Gegenwart vielleicht nicht spürbar ist, wo die Nacht nicht enden will. Es scheint so lange, bis der Zweifel, das Gefühl der Verlassenheit schwindet. Es scheint, bis der „Morgenstern“, also Jesus, wieder im Herzen angekommen ist, dort aufgeht, es doch wieder Tag wird.

Die ersten Christen, die noch hofften, Jesus käme zu ihren Lebzeiten wieder, bemühten sich, die Erinnerung an Jesus und seine Predigt lebendig zu erhalten. Einige davon bekamen von Gott so viel Weisheit geschenkt, dass sie „Zeitansagen“ machen konnten. Das waren Aussagen über Jesus und über Gott, die – manchmal auch mahnend - nach vorne schauten, einen Horizont aufrissen, eine neue Sicht und Mut zum Weitergehen schenkten. Solche Worte halfen den Gemeinden durchzuhalten in der Zeit des Wartens.

Doch woran ist heute ein prophetisches Wort erkennbar?

Prophetische Worte sind

  • Aussagen, die für den persönlichen Glauben förderlich sind – Licht ins Dunkel bringen.
  • solche, die die persönliche Entwicklung oder die der Gemeinde in den Blick nehmen.
  • Erkenntnisse, die nach wie vor - zukunftsweisend - eine politische Brisanz haben können.
  • immer im Einklang mit den biblischen Schriften!

Prophetische Erkenntnisse haben demnach nichts mit hellseherischen Fähigkeiten zu tun. Echte Propheten haben zudem kein Interesse daran, selbst besonders berühmt oder anerkannt zu sein, sondern mussten - schon zu alttestamentarischer Zeit - oft aufgrund ihrer Zeitansage leiden, weil diese unbequem war. Echte Propheten nehmen sich zu Herzen, dass Jesus in der Bergpredigt davor warnt, über andere zu richten.

Ich wünsche uns heute Weisheit, die echten Prophetinnen und Propheten unter uns zu erkennen, die uns ermutigen und leiten, die Klarheit bringen und Horizonte aufreißen!

Rahel Schöttler, Pfarrerin

 

Andacht zum Losungsspruch September 2016

Gott spricht: Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte. (Jeremia 31,3)

(CWi) Wenn man diesen Spruch in der deutschen Übersetzung liest, meint man, es handele sich um Gottes Handeln in der Vergangenheit. Das ist aber nicht so.

Eine freie deutsche Übersetzung könnte so lauten:
Ich liebe dich, und das schon immer (also eine feststehende Tatsache) , und
ich ziehe dich zu mir aus lauter Güte, nicht nur gestern und heute, sondern auch morgen 
(also eine immerwährende Handlung) 
!

Die Zusage von Gottes Liebe, im Textzusammenhang für das vertriebene Volk Israel ausgesprochen, gilt genauso für uns. Es gilt unabhängig davon, was wir getan haben, wodurch wir vielleicht schuldig geworden sind. Sicher, wenn wir uns von Gott abwenden, lässt er uns gehen. Wir sind ja von Gott in seinem Schöpfungsakt mit der Möglichkeit zur freien Entscheidung ausgestattet worden, auch die gegen Ihn. Diese mögliche "Unabhängigkeit" von Gott führt uns aber meist in andere Abhängigkeiten, die uns nicht gut tun. Unsere Abwendung von Gott mit all seinen Konsequenzen führt uns aber niemals aus Gottes Liebe heraus, denn Er hat uns ja geschaffen und wird uns immer lieben. Ein schönes Gleichnis Jesu' dazu ist das allseits bekannte vom Vater und den verlorenen Söhnen.

Aber Gott lässt es nicht nur beim Lieben. Er tut mehr. Er handelt selbst und tut alles, damit wir bei Ihm sind und möglichst bleiben. Er zieht uns zu sich. Der Text sagt dazu, dass er dies andauernd tut, nicht nur einmalig oder irgendwann einmal - Nein! Er tut es immerzu. Besonders hat Er es getan, als er in seinem Sohn selbst zu uns gekommen ist und uns eingeladen hat, Ihm zu folgen. Und nicht nur das. Er hat alle Voraussetzungen dazu geschaffen, dass wir zu Ihm kommen können. Durch den Kreuzestod und die Wiederaufersteheung Jesu' hat Er die Brücke errichtet, über die wir zu Ihm gelangen können.

Ich wünsche Ihnen und mir die Gewissheit von Gottes Liebe - und
lasst uns Gottes Ziehen nachgeben. Das ist nur gut für uns!

Christof Wiedermann
Prädikant und Presbyter

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